Aufbau der Ausbildung „Psychologische Psychotherapie“

Nach dem Studium (in der Regel Psychologie) kannst du die Ausbildung zum/r Psychologischen Psychotherapeut*in beginnen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen können im Grundberuf auch Pädagogik oder Sozialpädagogik studiert haben. Der Umfang und Aufbau dieser postgradualen Ausbildung ist im Psychotherapeutengesetz (PsychThG) sowie durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeut*innen (PsychTh-APrV) geregelt. Die Angaben, die hier aufgeführt sind, sind Mindestvorgaben, das heißt es kann je nach Institut und Vertiefungsgebiet zusätzliche Vorgaben geben. Grundsätzlich kann die Ausbildung in Vollzeit (3 Jahre) oder berufsbegleitend (5 Jahre) absolviert werden. Nach erfolgreichem Absolvieren der Ausbildung sowie der staatlichen Abschlussprüfung ist eine Approbation als Psychologische Psychotherapeut*in vorgesehen. Aktuell anerkannte Richtlinien-Verfahren sind: die Psychoanalyse (AP), tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP), Systemische Psychotherapie (SYS) sowie die Verhaltenstherapie (VT). 

Die Ausbildung umfasst insgesamt 4.200 Stunden und ist unterteilt in folgende Abschnitte: 

• Theorie (600 Stunden)
• Praktische Tätigkeit 1 und 2 (1200 Stunden + 600 Stunden)
• Praktische Ausbildung (600 Stunden)
• Supervision (150 Stunden)
• Selbsterfahrung (120 Stunden)
• Freie Spitze (930 Stunden)

Prozentuale Anteile der einzelnen Ausbildungsinhalte nach PsychThG von 1999.

Theorie

Parallel zu deinen praktischen Ausbildungsanteilen wirst du abends oder am Wochenende Theorieseminare besuchen, insgesamt mindestens 600 Stunden lang. Manche Ausbildungsinstitute haben sehr enge Stundenpläne und achten streng auf die Einhaltung. Andere bieten mehr Seminare als nötig an und lassen dir damit große Freiheiten bei der Auswahl und Ausgestaltung.

Praktische Tätigkeit 1 und 2

Der größte und meist schwierigste Teil der Ausbildung sind die beiden Praktischen Tätigkeiten (PT). Die PT1 muss in einer psychiatrischen Einrichtung, meist einem Krankenhaus, absolviert werden. Die PT2 ist für den psychosomatischen Bereich vorgesehen. Hier gibt es jedoch oft größere Auswahlmöglichkeiten, manchmal sind auch Tageskliniken, Beratungsstellen oder Betreute Wohngruppen anerkannt. Dein Ausbildungsinstitut hat eine Liste mit Kooperationspartnern, wo du deine PT machen kannst. In Einzelfällen kann man sich selbst eine Einrichtung suchen und diese (unbedingt vor Beginn) anerkennen lassen. In Berlin, wo es sehr viele Ausbildungsinstitute gibt, dauert die Suche nach einem PT-Platz oft länger (insbesondere bei der PT1), sodass ein großer Vorlauf oder sogar das Absolvieren in einem anderen Bundesland ratsam erscheinen.

Selbsterfahrung

Mindestens 120 Stunden Selbsterfahrung sind Pflicht. In der VT werden diese Stunden oft im Gruppensetting absolviert (zum Beispiel an fünf Wochenendtermine verteilt über die gesamte Ausbildungszeit oder über mehrere Monate an einem Abend pro Woche). In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie findet zusätzlich Einzelselbsterfahrung statt, die in der Regel extra vergütet werden muss (ca. 80€ pro Stunde). Ob diese Kosten bereits in deinen Ausbildungsgebühren enthalten sind, erfährst du bei deinem Institut. In der Psychoanalyse müssen Ausbildungskandidat*innen sogar zusätzlich eine so genannte Lehranalyse machen.

Praktische Ausbildung (Ambulanz)

Nachdem du eine bestimmte Anzahl von PT-Stunden (laut PsychThG mindestens 300 Stunden) und Theorieseminaren absolviert hast, kannst du die Zwischenprüfung machen. Diese ist von Institut zu Institut unterschiedlich organisiert. Manchmal ist es eher ein „kollegiales Fachgespräch“, manchmal sitzen dir mehrere Prüfer gegenüber und testen dein Wissen. Bei erfolgreichem Abschluss erhältst du die vorläufige Behandlungserlaubnis. Mit dieser kannst du deine mindestens 600 Stunden Praktische Ausbildung (Ambulanz) beginnen. Deine Behandlungseinheiten werden von den Krankenkassen vergütet, wobei die Höhe von Institut zu Institut variiert. Die Praktische Ausbildung ist auf maximal 800 Stunden begrenzt und wird durch die regelmäßige Supervision begleitet (Verhältnis 1:4).

Supervision

Deine Praktische Ausbildung wird begleitet von mindestens 150 Stunden Supervision. Meist findet ein Teil dieser Stunden im Gruppensetting statt. Auch die ambulanten Stunden über die 600 „Pflichtstunden“ hinaus müssen im Verhältnis 1:4 supervidiert werden (Kosten ca. 80€ pro Einzelsupervision). Wie viele Supervisionsstunden bereits in deinen monatlichen Ausbildungsgebühren enthalten sind, hängt von deinem Institut ab.

Freie Spitze

Begleitend zu deiner Ausbildung bist du verpflichtet, mindestens 900 Stunden „Selbststudium“ (= Freie Spitze) abzuleisten. Manche Institute haben hier strenge Vorgaben (protokollierte Lerngruppen, Literaturstudium, zusätzliche Seminare oder ähnliches), andere überlassen dir die konkrete Ausgestaltung selbst und fordern erst am Ende einen generellen Nachweis.

Abschlussprüfung (Staatsexamen)

Am Ende deiner Ausbildung steht die Abschlussprüfung, die zwei Mal pro Jahr angeboten wird. Die Anmeldung für die Prüfung wird beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) eingereicht (kostet ca. 100€). Die Prüfung setzt sich aus drei Teilen zusammen: einem schriftlichen Staatsexamen (im Stichwort- und Multiple-Choice-Format), einer mündlichen Prüfung und der Prüfung deiner praktischen Ausbildung (ambulanten Therapien). Für letztere schreibst du deine so genannten Falldokumentationen (mindestens zwei lange Fälle und ggf. bis zu vier weitere kürzere Fälle). Tipps und Informationen zur Prüfung findest du auf unserer Homepage im Abschnitt „Abschlussprüfung (von PiA zu PiA)“.

Und dann?

Mit den Nachweisen über deine absolvierten Ausbildungsinhalte und deine Prüfungsnoten wendest du dich wieder ans LaGeSo. Dort beantragst du deine Approbation (=Behandlungserlaubnis) und gleichzeitig die Fachkunde (dein Vertiefungsgebiet, also VT, TP oder AP), Kostenpunkt nochmal ca. 140€. Dann heißt es erstmal: Herzlichen Glückwunsch! Du hast es geschafft! Ein langer, beschwerlicher Weg liegt hinter dir und das solltest du dringend feiern.

Wie es danach weitergehen kann, findest du auf unserer Homepage im Bereich „Nach der Approbation“.