Klinikvergleich

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Berliner PiA,

auf dieser Seite stellen wir die Ergebnisse des Berliner Klinik-Rankings 2014 vor. Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern!

Eurer Sprecher-Team des Berliner PiA-Forums.

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Hintergrund der Umfrage

PsychotherapeutInnen in Ausbildung – PiA – sind während ihrer Ausbildung bis zu 1800 Stunden in Kliniken der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung sowie in Reha-Kliniken und anderen Versorgungsbereichen tätig. Den Erfahrungsberichten der PiA zufolge ist die Situation in Berlin besonders gravierend. Im Ballungsraum Berlin/Brandenburg scheint es gängige Praxis geworden zu sein, den im Gesetz vorgesehenen Begriff der „praktischen Tätigkeit“ in „Praktikum“ umzuwandeln. Schon seit Jahren protestieren die PiA gegen diese prekäre Situation.

Im Psychotherapeutengesetz (PsychThG) heißt es im § 5 „Ausbildung und staatliche Prüfung“:

[…] Sie [Die Ausbildungen, Anm. d. Verf.] bestehen aus einer praktischen Tätigkeit, die von theoretischer und praktischer Ausbildung begleitet wird […].

Um einen objektiveren Eindruck der Lage der Berliner PiA im Hinblick auf diese praktische Tätigkeit zu bekommen, führte das Berliner PiA-Forum vom 09.07.2014 bis zum 06.08.2014 eine Umfrage zur praktischen Tätigkeit durch. Berliner und Brandenburger PiA waren über unsere Verteiler (Mailinglisten, etc.) und im Netz dazu aufgerufen Details zu ihrer praktischen Tätigkeit, u.a. in Bezug auf Vergütung, vertragliche Grundlage und Betreuung, in einer Online-Umfrage anzugeben. Die Ergebnisse der Umfrage werden in diesem Bericht dokumentiert.

Auszüge aus den Ergebnissen

(für vollständiges PDF hier klicken)

Bewertung_Supervision_2014 Bewertung_Vergütung_2014

Berlin

Rang Klinik Note (Punkte) PT Stundenlohn Ø (Spanne) Arbeits-zeit pro Woche V. Subjektive Bewertung Anleitung/Supervision
  1. Platz
Fliedner Klinik 2 (11) 1 9,12 (-) 26h A gut + ausreichend
  1. Platz
HU Hochschulambulanz 3 (8) 2 2,71 (-) 30h H gut + ausreichend
  1. Platz
Berliner Krisendienst West 3- (7) 2 4,65 (-) 20h P gut + ausreichend
  1. Platz
Sophie Charlotte Park Klinik 3- (7) 1 4,19 (3,72 bis 4,65) 23h P gut + ausreichend
  1. Platz
DRK Wiegmann 4+ (6) 1+2 2,33 (-) 30h P gut + ausreichend
  1. Platz
F42 4+ (6) 2 3,72 (-) 25h P gut + ausreichend
  1. Platz
Havelhöhe 4+ (6) 1+2 3,69 (3,15 bis 3,88) 24h P gut + ausreichend
  1. Platz
Tannenhof 4+ (6) 2 3,83 (3,63 bis 3,88) 30h P gut + nicht ausreichend
  1. Platz
Vivantes Neukölln 4+ (6) 1+2 6,51 (-) 20h P gut + nicht ausreichend
  1. Platz
BZFO 4 (5) 2 0,21 (-) 32h P gut + ausreichend
  1. Platz
StoffBruch 4 (5) 2 0,62 (-) 25h P gut + ausreichend
  1. Platz
Ambulante Praxis* 4 (5) 2 3,49 (-) 20h A mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
Hedwigshöhe 4 (5) 1+2 2,61 (2,33 bis 2,91) 36h P gut + nicht ausreichend
  1. Platz
Pinel 4 (5) -** 3,72 (-) 25h P gut + nicht ausreichend
  1. Platz
St. Hedwig Krankenhaus 4 (5) 1+2 0,81 (0,70 bis 1,09) 26h P gut + ausreichend
  1. Platz
Vivantes Wenckebach 4 (5) 1+2 7,60 (-) 26h P mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
Vivantes Auguste Victoria 4- (4) 1+2 7,15 (6,05 bis 7,60) 25h P schlecht + ausreichend
  1. Platz
Charité Mitte 4- (4) 1+2 1,51 (1,34 bis 2,33) 25h P gut + nicht ausreichend
  1. Platz
Charité CBF 4- (4) 1+2 1,71 (1,16 bis 4,36) 25h P gut + nicht ausreichend
  1. Platz
Vivantes Humboldt Klinikum 4- (4) 1+2 7,35 (6,05 bis 7,60) 27h P mittelmäßig + nicht ausreichend
  1. Platz
Jüdisches Krankenhaus 4- (4) 1+2 3,05 (2,71 bis 3,39) 27h P mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
Vivantes Urban 4- (4) 1+2 7,60 (-) 26h P schlecht + ausreichend
  1. Platz
St. Joseph Weißensee 4- (4) 1+2 2,33 (-) 23h P mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
St. Joseph Tempelhof KJP 4- (4) 1+2 2,33 (-) 30h P mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
Vivantes Spandau 4- (4) 1+2 7,14 (5,99 bis 7,75) 26h P mittelmäßig + nicht ausreichend
  1. Platz
AHG Kompetenzz. Seelische Gesundheit 5+ (3) 2 3,72 (-) 25h P mittelmäßig + nicht ausreichend
  1. Platz
Königin Elisabeth Herzberge (KEH) 5+ (3) 1+2 1,55 (0,00 bis 2,33) 23h P mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
Schlosspark Klinik 5+ (3) 1+2 1,57 (-) 40h P mittelmäßig + ausreichend
  1. Platz
Bodelschwingh Klinik 5 (2) 1+2 2,23 (-) 24h P schlecht + ausreichend
  1. Platz
DRK Westend KJP 5- (1) 1+2 2,18 (-) 32h P schlecht + nicht ausreichend

*Sozial-Psychiatrische Versorgung (SPV, Diagnostik); **Pinel ist laut LaGeSo nicht mehr als Kooperationspartner zulässig; PT=Art der Angebotenen praktischen Tätigkeiten (entsprechend 1=PT1, 2=PT2); V.=Vertragliche Grundlage, A= Arbeitsvertrag ohne Tariflohn, H=Honorarvertrag, P=Praktikantenvertrag /-vereinbarung.

Brandenburg & Umland

Rang Klinik Note (Punkte) PT Stundenlohn Ø (Spanne) Arbeits-zeit pro Woche V.

Subjektive Bewertung Anleitung/Supervision

1. Platz AHG Müritz** 1 (14) 2 37,21 (-) 15h T gut + ausreichend
2. Platz Eberswalde Martin Gropius 3+ (9) 1+2 12,79 (-) 20h T mittelmäßig + ausreichend
3. Platz Fontane Klinik 3- (7) 1+2 6,98 (-) 36h A mittelmäßig + ausreichend
4. Platz Heinrich Heine Potsdam 4+ (6) 1+2 4,32 (3.56 bis 4,47) 26h A gut + nicht ausreichend
5. Platz Asklepios Lübben 4 (5) 1+2 6,10 (-) 40h A mittelmäßig + nicht ausreichend
5. Platz Immanuel Klinik Rüdersdorf 4 (5) 1+2 4,39 (3,88 bis 4,65) 28h P gut + nicht ausreichend
6. Platz Asklepios Brandenburg KJP 4- (4) 2 3,27 (0,00 bis 6,54) 27h P mittelmäßig + nicht ausreichend
6. Platz Henningsdorf 4- (4) 1+2 4,36 (-) 32h P mittelmäßig + ausreichend
7. Platz Asklepios Lübben KJP 5+ (3) 1 0,00 (-) 40h P mittelmäßig + ausreichend
7. Platz Uniklinik Dresden 5+ (3) 1 7,27 (-) 24h P schlecht + ausreichend
8. Platz Ruppiner Kliniken (Neuruppin) 6 (0) 1 1,74 (-) 40h P schlecht + nicht ausreichend

PT=Art der Angebotenen praktischen Tätigkeiten (entsprechend 1=PT1, 2=PT2); V.=Vertragliche Grundlage; T= Arbeitsvertrag mit Tariflohn, A= Arbeitsvertrag ohne Tariflohn, H=Honorarvertrag, P=Praktikantenvertrag /-vereinbarung.

Richtigstellungen:

**AHG Müritz: die Klinik weist darauf hin, dass die Angabe des Stundenlohnes nicht korrekt ist. Zustande kam dies vermutlich durch die Stundenzahl (15 Std), die in der Klinik nicht üblich ist. Die Psychotherapeuten in Ausbildung, die in der Klinik ihre Praktische Tätigkeit absolvieren, haben meist einen Vertrag über 32 oder 40 Wochenstunden. Des Weiteren sei es nun möglich auch die PT1 dort zu absolvieren, da mittlerweile eine Weiterbildungsermächtigung für Psychiatrie vorliegt.

ZUSAMMENFASSUNG & INTERPRETATION

Die Online-Umfrage „Berliner Klinik-Ranking 2014“ wurde vom Berliner PiA-Forum im Sommer 2014 durchgeführt und soll einen objektiveren Eindruck des Sachstands und der Lage der Berliner PsychotherapeutInnen in Ausbildung – PiA – vermitteln, die die „Praktische Tätigkeit“ während ihrer Ausbildung zum Psychotherapeuten bzw. zur Psychotherapeutin durchführen.

Die Einträge der Studie zum Klinik-Ranking Berlin/Brandenburg im Sommer 2014 entstammen aus 17 von insgesamt 21 Ausbildungsinstituten, 2 Instituten aus Potsdam und einem Institut außerhalb von Berlin/Brandenburg. Dadurch ist eine ausreichende Repräsentativität der Berliner PiA erreicht worden. Zu einem überwiegenden Anteil nahmen Psychologinnen und Psychologen an der Umfrage teil (95,5%).

Aus den Einträge geht hervor, dass sich fast 60% auf den „Psychiatrie-Teil“ der praktischen Tätigkeit beziehen (1200 gesetzlich vorgeschriebene Stunden).

Die Vergütung in den Kliniken/Einrichtungen wurde überwiegend als schlecht (=“schlecht“, „Ausbeuter“, „sittenwidrige Ausbeuter“) bewertet (77,5%). 17,5% bewerteten die Vergütung als „mittelmäßig“, 5% als „gut“. Gleichzeitig wurden bei 63,5% der Einträge angegeben, dass – wirtschaftlich verwertbare – Tätigkeiten durchgeführt wurden, die dem eigentlich Grundberuf zuzuordnen waren (z.B. die Durchführung psychologischer Diagnostik als Psychologe).

Bei Betrachtung des durchschnittlichen Stundenlohns in den Kliniken/Einrichtungen stellt man fest, dass dieser in Berlin (3,27€/h) niedriger liegt als in Brandenburg (8,04 €/h). Der Durchschnittsstundenlohn über alle Einträge hinweg lag bei 4,87 €.

Bei 86,4% der Einträge hatten die TeilnehmerInnen bereits Erfahrung in einschlägigen klinischen Bereich während des Studiums gesammelt, bei 24,2% der Einträge hatten die TeilnehmerInnen vor Beginn der praktischen Tätigkeiten bereits Berufserfahrung in einschlägigen Bereichen.

Aus dem überwiegenden Anteil der Einträge (84,5%) geht hervor, dass den PiA während ihrer praktischen Tätigkeit kein regulärer Arbeitsvertrag gewährt wurde. 79% waren als „Praktikanten“ beschäftigt. In 15,5% der Fälle wurden den PiA Arbeitsverträge gewährt, zu einem sehr geringen Anteil mit normaler tariflicher Bezahlung. (2,5%). Unabhängig von der vertraglichen Grundlage bezeichneten die PiA ihre Tätigkeiten in den Kliniken/Einrichtungen jedoch zu 74,5% als Arbeitnehmer-Verhältnisse.

Die Supervision und Anleitung in den Kliniken/Einrichtungen wurde von 48% der TeilnehmerInnen als „gut“ bewertet. 52% beurteilten diese als „mittelmäßig“ oder „schlecht“. 60,5% bewerteten die Supervision/Anleitung als ausreichend, 39,5% als nicht ausreichend.

  • Für Berliner PiA: Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität der Ausbildung in Abhängigkeit der jeweiligen Kliniken/Einrichtungen steht. Selbst bei Kliniken, die scheinbar gut anleiten und ausreichend häufig Supervision anbieten, ist die Vergütung mangelhaft und es bleibt unklar, welche Tätigkeiten als Gegenleistung erwartet werden. „Kleine“ Kliniken scheinen sich etwas mehr um eine angemessene Vergütung zu bemühen als große Konzerne. Neben der Fliedner-Klinik auf Platz 1 des Berliner Rankings scheinen die Vivantes-Häuser „am besten“ zu bezahlen. Anleitung und Supervision scheint aber zwischen den Häusern sehr unterschiedlich ausgestaltet zu sein. Darüber hinaus kann man den Ergebnissen entnehmen, dass sich eine Fahrt ins Umland nicht immer auszahlt. Wir raten daher jedem Auszubildenden sich vor der Wahl einer Stelle für die praktische Tätigkeit gut über die jeweiligen Verhältnisse und Bedingungen zu informieren. PiA sollten den Kliniken zeigen, dass sie eine gute Ausbildung wollen. Sie sollten die Ausbildungsinstitute darauf aufmerksam machen, wenn etwas mit der jeweiligen Klinik/Einrichtung nicht stimmt.
  • Für Kliniken: Nur zwei Kliniken verdienen das Prädikat „Best-practice“. Dazu gehören in Berlin die Fliedner-Klinik und in Brandenburg die AHG-Klinik Waren (Müritz). Beide Kliniken zeigen, dass eine gute und ausreichende Supervision und Anleitung bei gleichzeitigem Vorliegen eines regulären Arbeitsvertrags möglich ist. Wir hoffen mit diesen Ergebnissen, vor allem die Kliniken/Einrichtungen auf den hinteren Rängen zu motivieren, die Qualität ihrer Angebote zu verbessern. Gute Bezahlung und gute Anleitung für PiA sind unserer Meinung nach ein wichtiger Schritt hin zu guter Versorgung sowie zufriedenen Patientinnen und Patienten.
  • Für den Berufsstand: Aus den Ergebnissen geht eindeutig hervor, dass ein Großteil der Berliner PiA während ihrer praktischen Tätigkeit für die jeweiligen Einrichtungen wirtschaftlich verwertbare Leistungen erbringt, die z.T. dem Grundberuf zuzuordnen sind. Sie stehen dabei in einem regulären Beschäftigungsverhältnis, erhalten jedoch nur Praktikantenverträge und eine Vergütung unter dem Mindestlohnniveau. Wenn auch nur wenigen, so wird einem Teil der PiA in den Kliniken/Einrichtungen reguläre Arbeitsverträge gewährt. Dass die „praktische Tätigkeit“ als „Praktikum“ anzusehen sei, nur weil die vertragliche Grundlage eine Praktikantenvereinbarung ist, ist somit nicht mehr haltbar. In den meisten Kliniken wird die gesetzliche Vorgabe, der praktischen Tätigkeit, die von theoretischer und praktischer Ausbildung begleitet wird, nicht umgesetzt. Wir entlarven den Unglauben, die praktische Tätigkeit sei „nur“ ein Praktikum.
  • Für Verantwortliche der Ausbildung: Wie bereits erwähnt zeigen die Ergebnisse gravierende Qualitäts- und Vergütungsunterschiede in den jeweiligen Einrichtungen. Besonders gravierend ist die Situation im Bereich der Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Wir fordern daher die Verantwortlichen für die Ausbildung auf, ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen und Kooperationsverträge der Einrichtungen auf qualitative Kriterien hin zu überprüfen. Die Verantwortlichen sollten eine adäquate Vergütung und ausreichende Supervision zur Bedingung für eine Kooperation machen.
  • Für den Gesetzgeber: Im Masterplan für die „Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg“ werden „Ausbildung“ und „Transparenz“ als wichtige Eckpfeiler für einen erfolgreichen Gesundheitsstandort angesehen. Wir bitten den Gesetzgeber, diese Anliegen auch bei den PsychotherapeutInnen in Ausbildung ernst zu nehmen. Der Gesetzgeber sollte mit allen Mitteln darauf hinwirken, dass gesetzliche Vorgaben erfüllt, sich die Qualität verbessert und die PsychotherapeutInnen in Ausbildung im Rahmen ihrer Tätigkeit vergütet werden. Wir – als „PiA“ – tragen maßgeblich zum Erfolg der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg bei.